Dein Abschluss aus der Heimat zählt hier mehr, als du denkst

In fast jeder Küche und in jedem Lager in Deutschland arbeiten Menschen, die zu Hause Krankenpflegerin, Elektriker, Lehrer, Buchhalterin oder Techniker waren.

Sie machen diese Arbeit nicht, weil sie nichts anderes können, sondern weil ihr Abschluss hier nicht anerkannt ist. Das lässt sich ändern — und es gibt seit 2012 einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass dein Abschluss geprüft wird.

Warum sich das lohnt

Mit einer Anerkennung darfst du in deinem gelernten Beruf arbeiten. Das bedeutet in der Regel:

  • deutlich mehr Lohn — oft das Zwei- bis Dreifache eines Helferjobs
  • eine feste Stelle statt Aushilfe oder Zeitarbeit
  • bessere Chancen bei Aufenthaltstitel und Familiennachzug
  • Arbeit, die zu dem passt, was du gelernt hast

Bei den reglementierten Berufen — Pflege, Medizin, Erziehung, Handwerk mit Meisterpflicht — ist die Anerkennung sogar Voraussetzung, um überhaupt in dem Beruf arbeiten zu dürfen.

Zwei Arten von Berufen

Reglementierte Berufe

Zum Beispiel Pflegefachkraft, Ärztin, Erzieher, Lehrerin, Elektriker im eigenen Betrieb. Hier brauchst du die Anerkennung, sonst darfst du den Beruf nicht ausüben.

Häufiges Ergebnis: „teilweise gleichwertig". Dann fehlt etwas — meist Sprache oder ein Teil der Ausbildung — und du bekommst eine Anpassungsqualifizierung. Das ist kein Nein, sondern eine Liste dessen, was noch fehlt.

Nicht reglementierte Berufe

Zum Beispiel Koch, Kaufmann, Mechaniker als Angestellter, IT-Berufe. Hier darfst du auch ohne Anerkennung arbeiten — sie hilft dir aber enorm bei Bewerbung und Gehalt, weil der Betrieb dann weiß, was dein Abschluss wert ist.

So läuft es ab

1
Kostenlose Beratung — erster und wichtigster Schritt In fast jeder Stadt gibt es Anerkennungsberatungsstellen (oft über das Förderprogramm IQ). Die Beratung ist kostenlos, oft mehrsprachig, und sie sagt dir als Erstes, welche Stelle für deinen Beruf überhaupt zuständig ist. Ohne das schickt man leicht Unterlagen an die falsche Behörde und wartet Monate umsonst.
2
Unterlagen zusammenstellen Meist: Zeugnis oder Diplom, Fächer- und Notenübersicht, Nachweise über Berufserfahrung, Pass, Lebenslauf — und beglaubigte Übersetzungen der Dokumente. Fang früh an, Papiere aus Indien nachzufordern; das dauert oft am längsten.
3
Antrag stellen Die zuständige Stelle vergleicht deine Ausbildung mit dem deutschen Beruf. Sie soll innerhalb von drei Monaten entscheiden, nachdem alle Unterlagen vollständig vorliegen.
4
Bescheid Drei mögliche Ergebnisse: voll gleichwertig, teilweise gleichwertig (mit Liste, was fehlt) oder nicht gleichwertig. Auch der zweite Fall ist ein Erfolg — dann weißt du genau, welchen Kurs oder welche Prüfung du noch brauchst.

Was es kostet — und wer zahlt

Die Gebühren liegen je nach Beruf und Stelle meist im niedrigen dreistelligen Bereich, dazu kommen Übersetzungen.

Aber: Wenn du bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter gemeldet bist, können die Kosten übernommen werden. Es gibt außerdem den Anerkennungszuschuss des Bundes für Menschen mit geringem Einkommen. Frag danach, bevor du zahlst — im Nachhinein wird selten etwas erstattet.

Wo du anfängst

Das offizielle Portal des Bundes erklärt für jeden Beruf, welche Stelle zuständig ist, und findet Beratungsstellen in deiner Nähe. Es gibt es auch auf Englisch.

→ anerkennung-in-deutschland.de

Für Hochschulabschlüsse führt die ZAB die Datenbank anabin, in der steht, wie eine Hochschule und ein Abschluss in Deutschland bewertet werden. Ein Blick dort lohnt sich, bevor du etwas beantragst.

Deutsch ist meistens der eigentliche Engpass

Bei vielen Berufen scheitert es nicht am Abschluss, sondern an der Sprache — in der Pflege werden oft B2 verlangt, bei Ärztinnen und Ärzten mehr.

Wenn du weißt, dass du diesen Weg gehen willst, fang parallel mit dem Deutschkurs an. Beides gleichzeitig spart dir ein bis zwei Jahre.

→ Deutsch lernen

Vorsicht bei „Wir machen Ihren Abschluss anerkennen"

Es gibt Anbieter, die für viel Geld anbieten, das Verfahren zu übernehmen. Den Antrag stellst du selbst, und die Beratung ist kostenlos.

Und ganz klar: Ein gekauftes Zeugnis wird nicht anerkannt. Es fällt bei der Prüfung auf, führt zur Ablehnung und kann Folgen für deinen Aufenthalt haben.

Rechtsgrundlage ist das Anerkennungsgesetz (BQFG) und die entsprechenden Landesgesetze; welche Stelle zuständig ist, hängt vom Beruf und vom Bundesland ab. Angaben ohne Gewähr — verbindlich ist die Auskunft der zuständigen Anerkennungsstelle. Diese Seite ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung.