Das meiste Geld bleibt liegen, weil niemand fragt
Viele hier denken: „Ich arbeite doch — mir steht nichts zu." Das ist der teuerste Irrtum überhaupt. Die wichtigsten Leistungen sind genau für Menschen gemacht, die arbeiten und trotzdem knapp sind. Sie haben nichts mit Bürgergeld zu tun, und du musst nichts zurückzahlen.
Hier steht, was es gibt, wer es bekommt und welche Papiere du brauchst.
Keine Rechtsberatung. Entscheiden tut immer das Amt. Beträge Stand: August 2026 — prüfe sie im Zweifel auf der Seite der Behörde.
Kurz-Check: was passt zu dir?
Kreuz an, was auf dich zutrifft. Unten wird dann markiert, was du prüfen solltest.
Noch nichts angekreuzt.
Wohngeld — der große Übersehene
Für wen: Menschen, die Miete zahlen und wenig verdienen. Angestellte, Rentner, Auszubildende. Nicht für Leute, die Bürgergeld bekommen — dort ist die Miete schon drin.
Wie viel: Das hängt an drei Dingen — wie viele Menschen im Haushalt leben, wie hoch deine Miete ist und was ihr verdient. Dazu kommt die Mietenstufe deiner Stadt: in teuren Städten gibt es mehr. Bei kleinen Einkommen sind ein paar hundert Euro im Monat normal.
Wo: bei der Wohngeldstelle deiner Stadt — in Hamburg im Bezirksamt. Such nach Wohngeldstelle plus deiner Stadt.
Diese Papiere brauchst du:
• Mietvertrag und der letzte Nachweis über die Miethöhe
• Lohnabrechnungen der letzten 12 Monate (von allen im Haushalt)
• Kontoauszüge, meist der letzten drei Monate
• Meldebescheinigung oder Personalausweis / Aufenthaltstitel
• Nachweis über Heizkosten
• bei Kindern: Kindergeld-Bescheid
Drei Dinge, die kaum jemand sagt: Wohngeld gibt es ab dem Monat, in dem du den Antrag stellst — nicht rückwirkend. Also lieber heute einen unvollständigen Antrag abgeben und Papiere nachreichen, als nächsten Monat einen perfekten. Bewilligt wird meist für 12 Monate, danach musst du neu beantragen — trag dir das in den Kalender. Und: eine Ablehnung ist nicht das Ende, du hast einen Monat Widerspruchsrecht.
Kinderzuschlag — bis 297 € pro Kind
Für wen: Eltern, die arbeiten, aber wenig verdienen. Er kommt zusätzlich zum Kindergeld. Zusammen sind das bis zu 556 € pro Kind im Monat.
Bedingungen — alle vier müssen stimmen:
1. Du bekommst für das Kind Kindergeld
2. Das Kind ist unter 25, unverheiratet und lebt bei dir
3. Ihr verdient mindestens 900 € brutto im Monat —
als alleinerziehende Person 600 €
4. Ihr bekommt kein Bürgergeld
Wo: bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit — online möglich. Vorher lohnt der KiZ-Lotse: ein kurzer Rechner, der dir in ein paar Minuten sagt, ob sich der Antrag lohnt.
Diese Papiere brauchst du:
• Lohnabrechnungen der letzten sechs Monate
• Mietvertrag und Nachweis über Miete und Heizkosten
• Kindergeld-Nummer
• Geburtsurkunden der Kinder
• Kontoauszüge
Wer Kinderzuschlag bekommt, bekommt oft automatisch mehr: die Kita-Gebühren fallen weg und das Bildungs- und Teilhabepaket kommt dazu. Danach fragen!
Kindergeld — 259 € pro Kind
Für wen: alle mit Kindern, unabhängig vom Einkommen. Bis 18 immer, bis 25 wenn das Kind in Ausbildung oder Studium ist.
Wo: Familienkasse, online. Du brauchst die Steuer-Identifikationsnummer von dir und vom Kind.
Rückwirkend gibt es Kindergeld nur für sechs Monate. Wer zwei Jahre wartet, verliert den Rest — das ist echtes Geld.
Und das hier vergisst fast jeder
• Bildung und Teilhabe — Schulausflüge, Mittagessen in der
Schule, Nachhilfe, Sportverein, dazu ein Betrag für Schulsachen. Für
Familien mit Wohngeld, Kinderzuschlag oder Bürgergeld.
• Unterhaltsvorschuss — für Alleinerziehende, wenn der andere
Elternteil nicht zahlt. Für Kinder bis 5 Jahre 299 € im Monat, danach mehr.
Beim Jugendamt.
• Wohnberechtigungsschein (WBS) — kein Geld, aber der Zugang
zu günstigen Sozialwohnungen. Beim Wohnungsamt.
• Rundfunkbeitrag-Befreiung — wer bestimmte Leistungen bekommt,
zahlt die 18,36 € im Monat nicht.
• Sozialticket / ermäßigtes Nahverkehrsticket — gibt es in
vielen Städten, in Hamburg über das Sozialamt.
• Beratungshilfe — wenn du einen Anwalt brauchst und ihn nicht
bezahlen kannst. Beim Amtsgericht, kostet nur eine kleine Gebühr.
Die Wörter im Antrag — was sie wirklich bedeuten
Die meisten scheitern nicht am Anspruch, sondern an den Wörtern. Hier die, die in fast jedem Antrag vorkommen:
• Haushaltsgemeinschaft — alle, die mit dir zusammen wohnen
und wirtschaften. Nicht nur die Familie.
• Bedarfsgemeinschaft — die Menschen, deren Geld
zusammengerechnet wird. Meist Partner und Kinder.
• Erwerbseinkommen — was du aus Arbeit bekommst, brutto.
• Bruttokaltmiete — Miete plus Nebenkosten, aber
ohne Heizung.
• Warmmiete — alles zusammen, mit Heizung.
• Nachweis / Beleg — ein Papier, das beweist, was du sagst.
Eine Kopie reicht fast immer.
• Bescheid — die Entscheidung des Amtes. Aufheben! Andere
Ämter fragen danach.
• Bewilligungszeitraum — von wann bis wann du das Geld
bekommst. Danach musst du neu beantragen.
• Mitwirkungspflicht — du musst Fragen beantworten und
Papiere schicken. Wer nicht antwortet, bekommt eine Ablehnung — auch
wenn ihm das Geld eigentlich zusteht.
• Widerspruch — dein Einspruch gegen eine Entscheidung.
In der Regel ein Monat ab dem Datum auf dem Bescheid.
So füllst du den Antrag aus, ohne stecken zu bleiben
1. Fang an, auch wenn Papiere fehlen. Das Datum des Antrags
zählt. Papiere kannst du nachreichen.
2. Lass kein Feld leer. Was nicht zutrifft, bekommt einen
Strich. Leere Felder gelten als vergessen und der Antrag kommt zurück.
3. Schreib nichts hinein, was du nicht belegen kannst.
Falsche Angaben sind kein Kavaliersdelikt — das Geld wird zurückgefordert.
4. Mach von allem ein Foto, bevor du es abgibst. Vom
ausgefüllten Antrag und von jedem Papier.
5. Lass dir den Eingang bestätigen. Beim Amt einen Stempel
auf deine Kopie, oder per Einschreiben schicken.
6. Verstehst du eine Frage nicht — frag. Die Ämter haben
Servicetelefone, und die Beratungsstellen unten helfen kostenlos beim
Ausfüllen. Das ist ihre Arbeit, nicht dein Betteln.
Direkt zu den offiziellen Stellen
Anträge stellst du immer bei der Behörde selbst — nie über eine private Seite. Wenn dir jemand Geld dafür abnehmen will, dass er den Antrag für dich stellt: das geht überall kostenlos.
• Kinderzuschlag — Antrag und KiZ-Lotse
• Kindergeld — Familienkasse
• Familienportal des Bundes — offizielle Übersicht aller Familienleistungen
• Wohngeld in Hamburg (andere Stadt: nach Wohngeldstelle + Stadtname suchen)
Kostenlose Hilfe beim Ausfüllen:
• Migrationsberatung (MBE) — Caritas, Diakonie, AWO, DRK.
Kostenlos, oft in mehreren Sprachen, und sie füllen Anträge mit dir aus.
• Verbraucherzentrale deines Bundeslandes
• Sozialverband VdK oder SoVD — für Mitglieder,
übernehmen auch Widersprüche
Passt dazu
Kindergeld & Elterngeld · Lohn-Rechner · Wohnung finden · Brief vom Amt erklärt · Formulare ausfüllen