Der Fehler, der jedes Jahr Hunderte Euro kostet
Wenn du in eine Wohnung einziehst und dich nicht um Strom kümmerst, bekommst du trotzdem Strom. Die Steckdose funktioniert ab dem ersten Tag. Genau das ist die Falle: es fühlt sich an, als wäre alles geregelt.
In Wirklichkeit bist du automatisch beim örtlichen Grundversorger gelandet — und der Grundversorgungstarif ist in der Regel der teuerste Tarif am Markt. Laut Bundesnetzagentur steckt etwa jeder vierte Stromkunde in Deutschland darin, oft ohne es zu wissen.
Der Unterschied ist kein Kleingeld. Bei einem normalen Haushalt liegen zwischen Grundversorgung und einem günstigen Tarif schnell mehrere hundert Euro im Jahr.
Keine Beratung, keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter — hier steht nur, wie das System funktioniert. Stand: August 2026.
1. Bin ich in der Grundversorgung?
Schau auf deine letzte Stromrechnung oder in den Vertrag. Steht dort „Grundversorgung", „Allgemeiner Preis" oder „Ersatzversorgung" — dann ja.
Auch ein Zeichen: du hast nie selbst einen Stromvertrag abgeschlossen, bekommst aber Rechnungen. Dann bist du praktisch immer beim Grundversorger.
Wenn du gar keine Rechnung findest: der Verbraucherservice Energie der Bundesnetzagentur sagt dir, wer in deiner Gegend der Grundversorger ist — kostenlos und neutral.
2. Du kommst jederzeit raus
Das ist der Teil, den viele nicht wissen: aus der Grundversorgung kannst du jederzeit mit zwei Wochen Frist kündigen. Kein Vertragsjahr, keine lange Bindung, keine Gebühr.
Die Ersatzversorgung direkt nach dem Einzug läuft drei Monate und kann sogar ohne Frist beendet werden. Danach rutschst du automatisch in die normale Grundversorgung.
Kündigen musst du meistens gar nicht selbst. Wenn du einen neuen Anbieter beauftragst, übernimmt der die Kündigung beim alten. Du unterschreibst einmal, der Rest passiert im Hintergrund. Der Strom fällt dabei nie aus — dafür sorgt das Gesetz.
3. Was du vor dem Wechsel wissen musst
• Zählernummer und Zählerstand brauchst du. Die Zählernummer
steht am Zähler selbst, meistens im Keller oder im Flur.
• Jahresverbrauch in kWh steht auf der letzten Rechnung.
Hast du keine, rechne grob: eine Person rund 1.500 kWh, zwei Personen
rund 2.500 kWh, Familie mit Kind rund 3.000 bis 4.000 kWh im Jahr.
• Wer Warmwasser über Strom hat, verbraucht deutlich mehr.
Schätz lieber etwas höher als zu niedrig.
4. Die Bonus-Falle
Vergleichsportale sortieren nach dem Preis im ersten Jahr — und der ist oft nur deshalb so niedrig, weil ein Neukundenbonus eingerechnet ist. Im zweiten Jahr fällt der weg, und der Tarif kann teurer sein als das, was du vorher hattest.
Worauf du achten solltest:
• Preisgarantie — und für wie lange. Zwölf Monate sind üblich.
• Keine Vorkasse und kein Kautionspaket. Wenn ein Anbieter
Geld im Voraus will und pleitegeht, ist es weg — das ist in Deutschland
schon mehrfach passiert.
• Kurze Laufzeit, damit du im nächsten Jahr wieder wechseln kannst.
• Kalender-Eintrag machen. Elf Monate nach dem Wechsel
nachschauen. Wer das einmal im Jahr macht, zahlt dauerhaft wenig.
Bei den Vergleichsportalen kannst du „nur Tarife ohne Bonus" und „mit Preisgarantie" einstellen. Damit sieht die Liste weniger spektakulär aus, ist aber ehrlicher.
5. Vergleichen
Zwei große deutsche Vergleichsportale und die neutrale Stelle des Bundes. Nimm ruhig beide Portale — sie zeigen nicht immer dieselben Tarife.
• Verivox — Strom vergleichen
• Verivox — Gas vergleichen
• Check24 — Strom vergleichen
• Bundesnetzagentur — Verbraucherservice Energie (neutral, kein Portal)
Vergleichsportale verdienen an vermittelten Verträgen. Das ist normal und nicht schlimm — man sollte es nur wissen. Die Bundesnetzagentur verdient nichts und hilft auch am Telefon weiter.
6. Wenn es Ärger gibt
Falsche Abrechnung, plötzliche Preiserhöhung, Anbieter meldet sich nicht? Zwei Stellen helfen kostenlos:
• Verbraucherzentrale deines Bundeslandes — Energieberatung,
teilweise auch persönlich vor Ort.
• Schlichtungsstelle Energie — wenn du dich mit dem Anbieter
schriftlich beschwert hast und nach vier Wochen keine Lösung da ist.
Für dich kostenlos.
Wichtig: beschwer dich immer schriftlich — E-Mail reicht. Ein Telefonat kannst du später nicht beweisen.