Bootsführerschein für 500 Euro — und warum er dir keinen Job bringt
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<p>Ich schreibe diesen Beitrag wegen eines Fehlers, den ich immer wieder höre. Jemand will „auf dem Wasser arbeiten“, macht als Erstes den Sportbootführerschein für rund 500 Euro — und stellt danach fest, dass er damit beruflich gar nichts anfangen kann.</p>
<p>Denn es gibt hier zwei völlig getrennte Welten, und sie haben fast nichts miteinander zu tun.</p>
<h2>Welt 1: die Sportbootscheine</h2>
<p>Das sind die Scheine fürs Hobby. Der <strong>Sportbootführerschein</strong> ist der Einstieg, es gibt ihn für Binnengewässer und für See; im Kombikurs zusammen kostet er rund 500 Euro plus Prüfungsgebühren.</p>
<p>Pflicht ist er in der Regel ab 15 PS, also 11,03 kW. Aufpassen: auf manchen Flüssen gilt die Pflicht schon ab 5 PS, und der Bodensee hat sein eigenes Patent, dort schon ab 6 PS. Also immer das konkrete Gewässer prüfen, nicht nur die Motorleistung.</p>
<p>Darüber kommen der <strong>SKS</strong> bis 12 Seemeilen, der <strong>SSS</strong> bis 30 Seemeilen und der <strong>SHS</strong> für weltweit. Diese Scheine verlangen Seemeilen: für den SSS zum Beispiel 1.000 Seemeilen als Wachführer, beziehungsweise noch 700 nach dem SKS. Die sammeln sich nicht von selbst — man fährt sie auf Törns mit, und die kosten Geld und Urlaubstage.</p>
<p>Ein Punkt, der viele überrascht: für den Sportbootführerschein brauchst du ein ärztliches Zeugnis, und dazu gehört, dass du <strong>Rot und Grün sicher unterscheiden</strong> kannst. Positionslichter, Bojen und Signale arbeiten mit diesen Farben. Lass das prüfen, bevor du einen Kurs bezahlst — es ist die billigste Untersuchung von allen.</p>
<h2>Welt 2: der Weg, bei dem du Geld bekommst statt es auszugeben</h2>
<p>Wenn es dir ums Verdienen geht, ist die Antwort die <strong>Binnenschifffahrt</strong>: Frachtschiffe und Fahrgastschiffe auf Elbe, Rhein und den Kanälen. Personal wird dort seit Jahren gesucht.</p>
<p>Der entscheidende Unterschied zur Sportschifffahrt: Du sammelst deine Zeiten <strong>während der Arbeit</strong>. Du bezahlst nicht für Seemeilen, du verdienst an ihnen.</p>
<p>Die Laufbahn ist gesetzlich festgelegt und gilt EU-weit: Decksmann, Leichtmatrose, Matrose, Bootsmann, Steuermann und schließlich Schiffsführer mit Unionspatent — das ist der Kapitän der Binnenschifffahrt.</p>
<p>Zum Matrosen führen zwei Wege. Entweder ein zugelassenes Ausbildungsprogramm mit mindestens 90 Tagen Fahrzeit. Oder, und das ist der Quereinsteigerweg: mindestens 18 Jahre alt sein, die behördliche Befähigungsprüfung bestehen und <strong>360 Tage Fahrzeit</strong> in der Decksmannschaft nachweisen.</p>
<p>Diese Tage werden in dein <strong>Schifferdienstbuch</strong> eingetragen. Merk dir dazu einen Satz: Was nicht eingetragen und bestätigt ist, zählt nicht — egal wie lange du gearbeitet hast. Kümmere dich vom ersten Tag an darum.</p>
<h2>Was du zuerst tun solltest</h2>
<p>Erstens: entscheide, ob es Hobby oder Beruf ist. Für den Beruf brauchst du den Sportbootführerschein nicht. Kauf ihn nicht „schon mal“.</p>
<p>Zweitens: geh zum Arzt, wegen Sehen, Hören und Rot-Grün.</p>
<p>Drittens: frag beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt nach — was brauche ich als Quereinsteiger, wie bekomme ich ein Schifferdienstbuch, und was wird von meinen ausländischen Papieren anerkannt? Lass dir das möglichst schriftlich geben. Zeugnisse aus EU-Staaten sind deutschen in vielen Fällen gleichgestellt; bei Papieren von außerhalb entscheidet die Behörde — und niemand sonst.</p>
<p>Viertens: bewirb dich direkt bei Reedereien der Binnenschifffahrt, bei Fahrgastschiffen und bei Hafenbetrieben.</p>
<h2>Und was ehrlich dazugehört</h2>
<p>Auf einem Binnenschiff ist man viel unterwegs und schläft an Bord. In einer Ausbildungsbeschreibung stand es sehr direkt: rund 150 Tage im Jahr nicht zu Hause. Das ist besser als monatelang auf See, aber es ist kein normaler Feierabend-Job. Sprich vorher mit deiner Familie, nicht hinterher.</p>
<p>Zwei Dinge noch, kurz und deutlich. Ein Bootsführerschein „ohne Prüfung“ aus dem Internet ist eine Fälschung, mit allem, was daran hängt — Versicherung, Strafrecht. Und für einen Job auf dem Wasser zahlt man keine Vermittlungsgebühr. Wer Geld dafür verlangt, ist unseriös.</p>
<h2>Weiterlesen</h2>
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<li><a href="/boot-fahren.php">Alle Scheine im Überblick, mit Kosten und einem Zwölf-Monats-Plan zum Abhaken</a></li>
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<p><em>Preise sind Richtwerte, Regeln ändern sich. Verbindlich sind die Auskünfte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes und die Vorschriften des jeweiligen Reviers. Stand: September