Minijob 2026: 603 € — und welche Rechte du wirklich hast

💼 Arbeit · 15.08.2026

Fast jeder, der neu hier anfängt, fängt mit einem Minijob an. Und fast jeder bekommt dabei denselben Satz zu hören: „Minijob, da hast du keine Rechte." Das stimmt nicht. Es stimmt so wenig, dass es sich lohnt, das einmal in Ruhe aufzuschreiben.

603 € — und wie viele Stunden das sind

Seit 2026 liegt die Grenze bei 603 € im Monat. Im Jahr sind das 7.236 €.

Die Zahl ist kein Zufall. Sie hängt am Mindestlohn: 13,90 € die Stunde. Rechne es aus, dann weißt du sofort, wie viel du arbeiten darfst — rund 43 Stunden im Monat. Also ungefähr zehn Stunden die Woche.

Wenn dein Chef dir mehr Stunden einträgt und trotzdem nur 603 € zahlt, dann liegt der Stundenlohn unter dem Mindestlohn. Das ist nicht erlaubt, auch nicht im Minijob, auch nicht in der Probezeit.

Zweimal im Jahr darfst du die Grenze überschreiten, wenn es unvorhergesehen kommt — jemand fällt krank aus und du springst ein. Geplantes Überschreiten zählt nicht dazu.

Was dir zusteht, ob dein Chef es sagt oder nicht

  • Urlaub. Anteilig zu deinen Tagen. Wer zwei Tage die Woche arbeitet, hat bei einer 5-Tage-Woche Anspruch auf gut acht Urlaubstage im Jahr.
  • Lohn, wenn du krank bist. Bis zu sechs Wochen, nach vier Wochen im Betrieb.
  • Feiertage werden bezahlt, wenn du an dem Tag gearbeitet hättest.
  • Kündigungsfristen gelten auch für dich. Niemand kann dich von heute auf morgen nach Hause schicken.
  • Ein schriftlicher Nachweis über die wichtigsten Arbeitsbedingungen.

Das steht im Gesetz, nicht im Vertrag. Ein Vertrag, der dir das wegnimmt, ist an dieser Stelle einfach ungültig.

Der Punkt bei der Rente, an dem die meisten falsch unterschreiben

Im Minijob bist du rentenversichert. Dein Anteil ist klein — 3,6 Prozent, bei 603 € sind das gut 21 € im Monat.

Und fast jeder bekommt am ersten Tag ein Formular hingelegt: Befreiung von der Rentenversicherungspflicht. Unterschreiben, dann kommen die 21 € mit aufs Konto.

Überleg dir das zweimal. Mit den Beiträgen zählt die Zeit als Versicherungszeit — und du brauchst insgesamt fünf Jahre davon, damit du später überhaupt eine Rente bekommst. Dazu kommt der Schutz, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kannst.

21 € im Monat gegen fünf Jahre, die sonst nicht zählen. Für die meisten ist das kein guter Tausch. Wenn du unsicher bist: die Deutsche Rentenversicherung berät kostenlos, und du musst nichts kaufen.

Krankenversicherung kommt nicht mit

Ein Minijob versichert dich nicht. Du brauchst trotzdem eine Krankenversicherung — über die Familienversicherung, über einen Hauptjob oder freiwillig.

Das ist der Punkt, an dem es teuer wird, wenn man es zu spät merkt. Die Beiträge laufen rückwirkend weiter, auch wenn du nicht versichert warst.

Zwei Minijobs, oder Minijob neben dem Hauptjob

Mehrere Minijobs werden zusammengezählt. Zwei mal 400 € sind 800 € — damit bist du über der Grenze und alles wird normal versichert.

Neben einem Hauptjob darfst du einen Minijob steuerfrei haben. Der zweite läuft über Steuerklasse VI, und da bleibt fast nichts übrig.

Sag deinem neuen Arbeitgeber immer, ob du schon einen Minijob hast. Die Minijob-Zentrale sieht das ohnehin — nur kommt die Nachzahlung dann später und auf einmal.

Wenn etwas nicht stimmt

Kein Lohnzettel, weniger als 13,90 € die Stunde, kein Urlaub, Stunden die nirgendwo auftauchen — dann hol dir Hilfe, bevor du kündigst. Die Beratungsstelle „Faire Integration" ist kostenlos, unabhängig und berät in mehreren Sprachen. Deine Papiere brauchst du dafür nicht offenzulegen.

Und schreib deine Stunden mit. Ein Foto vom Dienstplan, eine Notiz im Handy, egal wie. Wer seine Stunden nachweisen kann, bekommt am Ende recht.

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