Zu hohe Kontogebühren? So wechselst du dein Girokonto – die Bank muss helfen
Schau mal auf deinen Kontoauszug. Steht da jeden Monat etwas wie „Kontoführung 6,90 €“? Dazu ein paar Euro für die Karte? Das sind schnell 80 bis 100 € im Jahr. Geld, das du einfach so wegschenkst.
Viele bleiben trotzdem bei ihrer alten Bank. Nicht weil sie zufrieden sind, sondern weil sie Angst vor dem Wechsel haben: Lohn, Miete, Handy, Kindergeld – alles läuft über dieses Konto. Die gute Nachricht: Seit 2016 muss die Bank dir beim Wechsel helfen. Das steht im Gesetz.
Schritt 1: Was kostet dein Konto wirklich?
Deine Bank muss dir einmal im Jahr eine Aufstellung aller Gebühren schicken. Sie heißt Entgeltaufstellung und kommt oft mit dem Kontoauszug oder ins Online-Postfach. Schau sie dir an. Achte auf:
- Kontoführung pro Monat
- Girocard oder Kreditkarte pro Jahr
- Bargeld abheben an fremden Automaten
- Überweisungen auf Papier
Schritt 2: Der teure Dispo
Der Dispo ist das Minus, in das du auf deinem Konto rutschen darfst. Er ist bequem, aber teuer. Im Durchschnitt verlangen Banken rund 11 % Zinsen im Jahr. In einem großen Girokonto-Test der Stiftung Warentest (Ausgabe 9/2026) lag die Spanne bei den günstigen Konten zwischen etwa 7 und 14 %.
Das heißt: Wer dauerhaft 1.500 € im Minus ist, zahlt bei 11 % etwa 165 € Zinsen im Jahr. Für nichts.
Wenn du immer wieder im Dispo bist, ist ein neues Konto nur ein Teil der Lösung. Hol dir zusätzlich Hilfe bei einer kostenlosen Schuldnerberatung, zum Beispiel bei der Caritas, der Diakonie oder der Verbraucherzentrale. Das ist keine Schande, sondern klug.
Schritt 3: Neues Konto eröffnen
Vergleiche in Ruhe. Für die meisten von uns zählen vier Dinge:
- Kontoführung ohne Gebühr – oder nur mit einer Bedingung, die du sicher erfüllst (zum Beispiel ein bestimmter Geldeingang pro Monat).
- Kostenlos Bargeld abheben, wo du wohnst.
- Eine App auf Deutsch oder Englisch, die du verstehst.
- Ein fairer Dispozins.
Welche Banken es gibt und was du für die Eröffnung brauchst, steht hier: Konto eröffnen in Deutschland
Kein Konto wegen Schufa? Du hast trotzdem ein Recht auf ein Basiskonto. Und eine leere Schufa ist kein schlechtes Zeichen. Mehr dazu: Schufa einfach erklärt
Schritt 4: Die Kontowechselhilfe nutzen
So funktioniert der Wechsel nach dem Zahlungskontengesetz:
- Du gibst der neuen Bank eine Vollmacht (ein Formular zum Unterschreiben).
- Die neue Bank fragt innerhalb von zwei Geschäftstagen bei deiner alten Bank an.
- Die alte Bank muss innerhalb von fünf Geschäftstagen eine Liste schicken: deine Daueraufträge, Lastschriften und die Überweisungen, die du in den letzten 13 Monaten bekommen hast.
- Die neue Bank richtet die Daueraufträge ein und kann deine Zahlungspartner über die neue IBAN informieren.
Das gilt für private Konten in Deutschland in Euro. Frag die neue Bank vorher, ob der Service für dich etwas kostet.
Schritt 5: Selbst nachprüfen – das ist wichtig
Auch wenn die Bank hilft: Kontrolliere selbst, ob alle Bescheid wissen. Besonders bei Zahlungen, die für dich wichtig sind:
- Arbeitgeber (dein Lohn)
- Familienkasse (Kindergeld)
- Jobcenter, Agentur für Arbeit, Wohngeldstelle
- Vermieter, Krankenkasse, Handy, Strom, Versicherungen
Schreib dir eine kleine Liste und hake ab, wenn der erste Betrag auf dem neuen Konto angekommen ist.
Schritt 6: Das alte Konto nicht sofort schließen
Lass dein altes Konto noch ein bis zwei Monate offen. Manche Lastschriften kommen nur einmal im Jahr, zum Beispiel für den Rundfunkbeitrag oder eine Versicherung. Wenn das alte Konto zu früh weg ist, platzt die Lastschrift, und das kostet Gebühren. Erst wenn ein, zwei Monate nichts mehr kommt, kündigst du.
Und noch etwas: Wenn bei der Kontowechselhilfe ein Fehler passiert und dir dadurch zum Beispiel Mahngebühren entstehen, haften die Banken dafür.
Kurz zusammengefasst
- Gebühren-Aufstellung anschauen: Was kostet dein Konto im Jahr?
- Dispo ist teuer, im Schnitt rund 11 %.
- Neues Konto eröffnen, dann Kontowechselhilfe bei der neuen Bank beantragen.
- Wichtige Zahlungen selbst nachprüfen.
- Altes Konto erst nach ein bis zwei Monaten schließen.
Mehr Infos von neutraler Stelle: Verbraucherzentrale – Banken müssen beim Kontowechsel helfen
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